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Tag: WorkLife (page 1 of 3)

Moinsen.

Rückblickend betrachtet war es entweder eine unspektakuläre Woche oder ich muss mir Sorgen um mein Gedächtnis machen.

Mitte der Woche hatte ich nach der OP von Anfang November, eine Nachuntersuchung und Fäden-Ziehen. Die Zufriedenheit des Docs fand leider keine Äquivalenz in der Schmerzlosigkeit des Fäden-Ziehens, aber am nächsten Morgen war wieder alles gut. Langsam wird die Übergabe an den anderen Doc vorbereitet mit einem zweiten Kennenlern-Besuch in zwei Wochen.

Mein Kopf-Thema (Abstand gewinnen, Grübeleien beenden, Entwickeln von worst case-Szenarien abwürgen) bleibt weiterhin auf einen derart positiven Pfad, dass ich anfange misstrauisch zu werden. Und wenn ich nicht dieses Quantum Selbstzweifel hätte, wäre ich nicht mehr ich selbst.

Things I worked on.

Auch hier ging es mit den Themen der Vorwoche weiter. Stichwort „Designsysteme“ — recht kurzfristig erfuhren wir von einem „Entscheidermeeting“ für die 2023er-Themen. Da ich es für notwendig hielt, dem Kunden aus technischer Sicht etwas mehr Substanz und Details an die Hand zu geben, habe ich mir unter der Woche einen ganzen Abend um die Ohren gehauen. Es war mein größtes Problem, mich auf das Essentielle zu konzentrieren und keinen Roman abzuliefern. Positiver Nebeneffekt: durch die zusätzliche Recherche sind mir einige technische Zusammenhänge jetzt erst klar geworden.

Im Projekt „B“ ist auch der offizielle Startschuss für das „Muss ins letzte Deployment des Jahres rein“-Modul gefallen. Technisch schreitet die Umsetzung gut voran. In der kommenden Woche muss ich den Designer auf die letzten offenen Punkte der Specs festnageln, um zeitlich weiterhin gut im Rennen zu liegen.

Mit diesem Modul ist das Projekt „B“ jetzt auch endgültig auf Figma als Design-Spezifikation und -Übergabe umgeschwenkt.

Im Projekt „A“ gibt es noch Diskussionen über die 2023er-Themen, weil Themen, Budget und Ressourcen im Widerspruch stehen und die Stakeholder sich nicht handelseinig werden.


Unter der Woche konnte ich ein Zeitfenster von zwei Stunden nutzen, um mich in ein neues Thema einzulesen: Constructable Stylesheet Objects – diese sind nämlich im Oktober in die Safari Technology Preview aufgeschlagen. In Chrome und Firefox sind sie längst da. D.h. gegen Ende 2023 sollte hinreichend Verbreitung im Browsermarkt da sein, um einsetzbar zu sein.

Zumindest in der Theorie könnte das ein Game Changer für Web Components sein, weil es endlich wieder einen Pfad durch das ShadowDOM schlägt, um CSS von außerhalb der Web Components „wirken“ zu lassen. Aber für die genaueren Implikationen, muss ich die Zeit finden, in kleinen Nebenprojekten Web Components einzusetzen.

Things I did.

Mit Ausnahme des Badezimmers, habe ich im kompletten Haus meine (fassungslos häßlichen) Türen ausgehängt. Das ist unter energetischen Gesichtspunkten nicht ganz so clever. Um dem entgegenzuwirken, habe ich mir vorgenommen, Schlafzimmer und Arbeitszimmer mit Vorhängen auszustatten.

Unter der Woche bin ich im Anschluss an den Arztbesuch mit dem Rad entlang der Kollau 13 Kilometer zu IKEA hoch gefahren und habe mir zwei isolierende Gardinen plus Stangen etc… geholt. Ich habe zumindest im Schlafzimmer die Gardine mit einem Improvisorium vor die Tür gehängt. Und tatsächlich reduzierte sich das Abkühlen nachts und unter Tage, so dass ich nach drei Tagen zwei Grad mehr hatte (wozu auch die wärmeren Außentemperaturen beigetragen haben dürften). Entsprechend konnte ich die Heizungsthermostate nun runterpegeln.

Die finale Installation der Gardinenstange gestaltet sich aber schwieriger als erwartet. Den ersten Satz Schrauben & Dübel kann ich wegschmeißen, da ich aufgrund eines Stahlträgers keine vier Zentimeter rein komme. Jetzt muss ich mich auf der Suche nach 2-Zentimeter-Dübel machen.

Things I watched.

Die dritte Staffel von Taskmaster auf YouTube durchgeguckt.

Über Rezo hat nun auch mich 7 vs Wild: Panama erwischt. Die Abrufzahlen der Folgen sind awesome: 8,3 Mio, 11 Mio, 7,7 Mio, 8,3 Mio, 6,8 Mio, 5,9 Mio, 2,8 Mio (binnen 20 Stunden).

Moin. Am letzten Montag hatte ich meine mutmaßlich letzte OP. Es blieb diesmal bei den prognostizierten nur zwei Stunden Vollnarkose. Entsprechend ist die Birne unter der Woche schneller klar geworden, als bei den vorigen OPs. Samstag habe ich meinen ersten Kaffee zu mir genommen und bin das erste Mal wieder Rad gefahren.

Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, die Rekonvaleszenz wie ein Urlaub zu behandeln. Allerdings hatten sich unter der Woche in einem Projekt wichtige strategische Entscheidungen angedeutet, die mich ziemlich getriggert haben. Deswegen verbrachte ich den Donnerstag überwiegend übel gelaunt vor dem Rechner, um mich fachlich einzulesen. Am Freitag überkam mich einerseits Erleichterung, weil eine dritte Seite ein Arbeitspapier vorlegte, das recht nahe an meiner Denke war und mir damit für mich selbst Bestätigung und perspektivisch Unterstützung gab.

Andererseits war ich darüber entsetzt, wie mich so etwas derart triggern konnte. Ich schaffe es nicht, mental Abstand zu nehmen. Ich befinde mich auf einen Kurs, der mich straight in Richtung Magengeschwür bringen wird. Nicht gut. Nicht gut.

Things I did.

  • Die Umstellung von Sketch auf Figma begonnen. Bei Sketch wirkt jedes Update inzwischen wie ein bloßes Herumschieben von bereits vorhandenen Teilideen. Von einer Vision ist nichts zu merken.
    IMHO hat Figma die Ideen von Sketch konsequenter ausgearbeitet und weiter entwickelt. Es lässt sich besser damit arbeiten. Allerdings kostet das Einarbeiten in Figma Zeit, wenn man es nicht nur als vektor- und webdesign-orientiertes Zeichenwerkzeug einsetzt, sondern als Tool für die Entwicklung größerer Websites, vulgo: wenn das Thema „Best Practices“ bzw. nachhaltiges Arbeiten von Bedeutung ist.
  • Auf macOS Ventura aktualisiert. Bislang keine raison d’être für dieses Upgrade gefunden. Die größeren Änderungen sind eher spektakulär schlecht ausgefallen (neues Systemerweiterungs-Panel, Stage-Manager)
  • Als neuen Browser „Arc“ installiert. Zuerst irrlichterte ich zwischen fehlenden Verständnis der Ideen die nun einen neuen Browser notwendig machen und Ratlosigkeit über die konkrete Umsetzungen.
    Eine der Gedankenstränge wirkt wie die konsequente Fortsetzung der neuen linken Tab-Leiste in Safari. Dies ist etwas, was ich eigentlich nicht schätze, da sie zu viel wertvollen horizontalen Bildschirmplatz wegnimmt.
    Zwei Wochen in, hat der Browser aber bei mir seine Nische gefunden, für alles, auf das ich permanent Zugriff haben möchte (z.B. Twitter, Mastodon, Online-Foren). Zumindest auf meinem Drei-Monitore-Bürorechner… To be continued.

Things I read.

Das Trade-Paperback in den Händen haltend
„V for Vendetta“ – Erste Auflage des Trade-Paperbacks von 1990

Remember, Remember, the fifth of November“ ist in England ein bekannter Reim zur Erinnerung an das fehlgeschlagene Bombenattentat vom 5ten November 1605, dem sogenannten Gunpowder Plot. Einer der Attentäter, Guy Fawkes, ist noch heute präsent, in Form dieser Maske die gerne vom Anti-Establishment/Protestbewegungen benutzt werden.

Als am 5ten November der Reim mal wieder auf Twitter die Runde machte, verspürte ich den Drang, den Comic „V for Vendetta“ wieder zu lesen — ein Comic der der Maske zu ihrer Popularität verhalf.

Zwischen 1982 und 1989 entstanden, beschreibt der Comic England im Jahre 1997 als einen Orwell’schen Überwachungsstaat faschistischer Ausprägung. Am Abend des 5ten November 1997 wird die 16jährige Evey von einem Mann mit Guy Fawkes-Maske vor einer Vergewaltigung gerettet und auf ein Dach gebracht. Der Mann, „V“ genannt, löst dort eine Explosion aus, die das britischen Parlament und Big Ben zerstört. „V“ entpuppt sich ein Anarchist, der Staat und Gesellschaft umstürzen will.

Als ich das Buch nun zum ersten Mal seit längerem in den Händen hielt, wurde ich mir bewusst, wie alt ich inzwischen geworden bin. Das Trade-Paperback ist 1990 erschienen. Ich muss es 1990 oder 1991 gekauft haben — also vor fucking 32 Jahren. Das Papier ist schon etwas gelb geworden, was aber ganz gut zur Tonalität der Geschichte und der Zeichnungen im Stile alter englischer Comics aus den 70er Jahren passt.

Zum Schock trug auch dazu bei, dass das Buch etliche Motive enthält, die heute wieder erkennbar sind. Bereits auf Seite 2 heißt es in den Radionachrichten:

In a speech today Mr. Adrian Karel, party minister for industry stated that Britain’s industrial prospects are brighter than at any time since the last war.

Mr. Karel went on to say that it is the duty of every man in this country to seize the initiative and make Britain great again.

Das war vor mehr als 30 Jahren bereits die Beschreibung der Leitmotive von Brexit und MAGA/Trump … als faschistische Rhetorik.

Es hat mich auch erschüttert, wie viel ich vom Buch vergessen hatte — oder einfach nur schlampig gelesen hatte? Ich hatte das Gefühl das Buch zum ersten Mal zu lesen.

Der Comic stellt Faschismus und Anarchismus gegenüber, stellt aber aufgrund eines sehr langen Mittelteils mit Evey im Zentrum des Geschehens, auch die Frage: was darf eine Bewegung alles tun, um ihr Ziel zu erreichen?

Auch 32 Jahre später, ist „V for Vendetta“ ein Meilenstein der Comic-Literatur. 5 von 5 Sterne.

Things I watched.

  • Das fucking beste Rugby-Spiel des Jahres? Das gestrige WM-Finale bei den Frauen. Neuseeland – England in Auckland. Ich schrieb es bereits auf Twitter, dass die World Rugby-Verantwortlichen windelweich geprügelt gehören, sollten sie dieses Spiel nicht irgendwo öffentlich in voller Länge ablegen — haben sie leider bislang nicht getan. Daher hier nur die „extended Highlights“ von 15 Minuten Länge.
  • Nicht das beste Rugby-Spiel des Jahres? Das gestrige Bundesliga-Spiel Hamburger RC – Berliner RC in der Rugby-Arena an der Saarlandstraße. Der HRC bekommt weiterhin seine Probleme bei den Gassen nicht im Griff und war gestern offensiv harmlos. Selbst gegen einen gestern nicht wirklich gut auftretenden BRC, lag da mehr Unterschied als es Platz 1 vs Platz 4 der Nordgruppe suggerierte. Ach, gebt mir doch etwas mehr zum Mitfiebern.
  • „Memoir of a Murderer“ — Ein südkoreanischer Film mit einer interessanten Konstellation. Ein Serienmörder vergangener Tage leidet an fortgeschrittener Demenz. In seiner Umgebung geschehen wieder Serienmorde. Bei einem Auffahrunfall spürt er den Mörder getroffen zu haben. Oder spielt nur sein Hirn verrückt?
    Ich habe viel Sympathien für das Setup, die Schauspieler|innen und das Erzähltempo. 4 von 5 Sternen.

Things I played.

  • „Victoria 3“ — „Spielen“ wäre zu viel gesagt. Ich bin nach ca. sechs Stunden noch im Tutorialmodus und drauf und dran Schweden in den Staatsbankrott zu treiben.

Sehr geil. Bei mir schimmeln die Blogeinträge im Draft-Status vor sich hin — weil ich sie zwar anfange, aber nie die… Muße? Zeit? Energie? … habe, sie fertig zu schreiben. Und so wird aus dem Mitte-September-Draft ein Mitte Oktober und nun ein Ende-Oktober-Draft…


Moinsen. Länger nicht gelesen. Was war die letzten drei vier Monate?

In einem Newsletter fühlt sich Oliver Burkeman an den Schluss einer Episode aus der Serie „Studio 60 on the Sunset Stript erinnert.

The anxiety builds as a huge digital clock on the control room wall counts down the days, hours, minutes and seconds to the moment they’re due on air. The world – well, the media world – is watching. The stakes are high. Last-minute crises and conflicts threaten to derail the whole thing.

But they manage it: the show goes live, the opening number ends, the studio audience goes wild, and the camera cuts to Perry, watching from the back. For the first time, his expression isn’t tense, but relaxed. He’s satisfied, proud, absorbed in the spectacle. Against the odds, things are OK.

…For about one second. Then a troubling thought strikes him, the tension returns to his face, and the camera follows his gaze to the countdown clock on the wall. It now shows six days, 23 hours, 57 minutes and 53 seconds: the time they’ve got left in which to do it all over again next week.

Dies ist eine perfekte Zustandsbeschreibung meiner letzten Monate. Ich musste zwar nicht wöchentlich eine Show abliefern, aber anderthalb Jahre im eng getakteten Projekt B im Drei-Wochen-Rhythmus, dem sogenannten „Sprint“, ein Aufgabenpaket umgesetzt haben, kommunizieren, konzipieren, evaluieren, spezifizieren, Frontendler|innen anleiten, Umsetzung anderer Menschen kontrollieren und abnehmen.

Nach dem Launch im Frühjahr, hat sich der Aggregatzustand des Projektes verändert. Aus dem Pflichtumfang zum Relaunch, ist nun ein Wunschzettel für Erweiterungen geworden und weitere „Stakeholder“ begehren den Eintritt ins Boot.

Umsetzungen sind nicht sofort startklar. Sie müssen erst umsetzungsreif aufbereitet werden. Es gibt, u.a. für mich, größere Aufwände im Bereich von Kommunikation und Konzeption/Spezifikation, während der Anteil der eigentlichen Umsetzung (a.k.a.: Coding) zurückgegangen ist (wenn ich es richtig im Kopf habe: ganze neun Stunden in den letzten dreieinhalb Monaten). Die Zahl der Bälle, die gleichzeitig in der Luft gehalten werden müssen, hat zugenommen.

Der Akku war alle. Die Wochenenden dienten nur noch dazu, den Akku durch Ruhe & Freizeit halbwegs aufgeladen zu bekommen. Aber auch das ging nicht mehr. Irgendwann waren nur noch 90% und dann 80% Maximalladung drin. Es waren keine 40 Wochenstunden mehr drin. Vermutlich noch nicht einmal mehr 30 Wochenstunden. Abgesehen von Feiertagen und den Rekonvaleszenz-Wochen nach den vier OPs, stand Ende September mein erster Urlaub seit zwei Jahren an.


Acht Tage Baltrum standen an. Mir war nach Nordsee, Watt und Wind in die Visage. Mal wieder St. Peter-Ording zu nehmen, erschien mir zu faul zu sein. Meine Wahl fiel auf Baltrum, weil Insellage und weil kleinste der ostfriesischen Inseln. Was macht es mit mir, wenn ich 8 Tage auf derart kleinem Raum bin?

Die Insel ist ca. 5km lang und 1km breit, wobei der bewohnte Teil der Insel sich auf ca. 2km x 0,5km konzentriert. Der Rest ist Dünenlandschaft, Watt und Salzwiese.

Erstmals nahm ich eine Ferienwohnung — auf Baltrum eine sehr sinnvolle Entscheidung. Für eine Urlaubsinseln gibt es recht wenige Hotels, aber umso mehr Ferienwohnungen. Die Bürgersteige werden abends recht früh hoch geklappt. Ohne Reservierung nach 19h30 noch einen freien Platz in einem Restaurant zu finden, ist nicht einfach. Da ist die eigene Küche schon sehr praktisch — vor allem wenn die Pizzen des Abhol-Italieners spektakulär teuer und dürftig belegt sind.

Die Insel hat zwei Supermärkte, die zwar so tun, als wären es zwei unabhängige Supermärkte, die aber beide faktisch von Edeka beliefert werden. Die Preise in den Supermärkten sind 10–20% höher als auf dem Festland.

Und die letzte Nerverei: leider gibt es zum verweilen keine brauchbaren Cafés (‘scusi: habe das „Picknick Baltrum“ nicht ausprobiert…). Entweder sind sie zu klein, so dass ein längerer Verbleib nicht gern gesehen wird oder sie haben Platz, aber Cappuccino und Eis/Kuchen sind eine Katastrophe.

Bei allem Driss: es hat Spaß gemacht. Die Ferienwohnung war ein Traum. Super geschnitten, gut ausgestattet, Balkon mit Tischchen und im 2ten Stock einen fantastischen Blick in drei Himmelsrichtungen gehabt.

Überhaupt „Himmel“. Ich kam Ende September, mitten in einer stürmischen Phase (Böen bis Stärke 8). Nur geil. Nahezu alle Sensorik in deinem Körper wird bespielt. Der Tastsinn mit dem Wind, der an dich zehrt. Die tosende, omnipräsente Brandung in deinen Ohren. Der Geruch von Salzwasser. Permanent spektakulärste Wolkengebilde.

Auf Baltrum gibt es keine Kraftfahrzeuge, sondern nur Fahrräder, E-Bikes und Pferdekarren.

Pferdekarren als Müllabfuhr
Auch im Urlaub… vom Lärm der Müllabfuhr aufgeweckt werden.
Pferdekarren mit Container muss hinter der „Müllabfuhr“ warten
Wer kennt das Problem nicht auch aus der Stadt: hinter der Müllabfuhr staut sich der Verkehr.

In den ersten fünf, sechs Tagen war ich mit Erkundung der Insel, inklusive Führungen des Wattenmeer-Nationalpark-Hauses, vollbeschäftigt, und wurde erst in den Schlusstagen zum Flaneur, zum Sich-Treiben-Lassen.

Briefkasten mit der Aufschrift: „Leerung findet Montag – Sonntag einmal täglich statt“
Es geht auf Baltrum dank der Tide und dem nur einmal täglich stattfindenden Frachtverkehr gemächlicher zu. Wird halt irgendwann „einmal täglich“ geleert.

Es steht nicht auf meiner Stirn geschrieben. Ich laufe zuhause nicht im Matrosenhemd rum. Aber nach Sylt und St. Peter-Ording, muss ich nun auch bei Baltrum feststellen: die Nordsee macht irgendwas mit mir. Irgendwas triggert mich emotional derart an, wie bei mir sonst nur Paris.


Der Urlaub ist auch schon einen Monat her. Der Akkustand wird von mir, nicht immer mit Erfolg, schärfer kontrolliert.

Die fünfte und nun wirklich letzte OP ist in Sichtweite. Es wird mich vermutlich wieder vier bis fünf Tage komplett aus dem Alltag rausnehmen. Aber inzwischen kenne ich ja die Abläufe.

Things I did.

Garten — Der Sommer wurde immer wieder durch wochenlange Trockenheit geprägt. Was in meinem Fall bedeutete, alle ein oder zwei Tage mit dem Wasserschlauch von Pflanzenpott zu Pflanzenpott zu gehen um die Tomaten, Melonen, Paprikas, Zucchinis, Physalis und Erdbeeren zu wässern. Das hat jedesmal locker eine Dreiviertelstunde weggebrannt.

Auf der anderen Seite wurde ich selten so häufig von Passanten angesprochen, wie in diesem Sommer.

Die Tomatenernte, immer noch nicht beendet, war extrem ergiebig. Und ehrlich: wenn du deine eigenen Tomaten angebaut hast, fällt es schwer wieder zu Supermarkt-Tomaten zurückzukehren. Einmal die Geschmacksexplosion z.B. einer „Black Cherry“ im Mund gehabt, willste nicht wieder zurück.

Ein ähnliches Erlebnis gab es mit den Wassermelonen, die ebenfalls süßer und intensiver als die Supermarkt-Verwandtschaft ausfallen.

Garten, mit drei sich rankende Wassermelonen
Drei von fünf Wassermelonen im Garten
Fünf reife Wassermelonen
Einige Wochen später, die Ernte
Physalis
Reife Physalis

Moinsen. Die letzte Statusmeldung gab ich einige Tage nach meiner OP. Der gute Heilungsprozess hat sich weiter fortgesetzt. Alles gut verheilt. Die finale Nachuntersuchung wird allerdings erst in sechs Wochen stattfinden. Es wird nicht die letzte OP gewesen sein. Im Herbst wird es noch eine letzte OP geben — zur Nachbearbeitung und zum „Geraderücken“.

Die einwöchige Auszeit durch die OP habe ich als Entspannung empfunden. Danach ging mein Alltag schnell Richtung Orkus. Der Moloch Arbeit begann mich mal wieder immer stärker zu vereinnahmen. Die bei mir nur schwach ausgeprägten Schutzwälle wurden schnell durchbrochen. Meine Resilienz besitzt die Stärke einer japanischen Papierwand.

Der Glaube, dass mit dem Livegang von Projekt B im März die Schlagzahl nachlassen würde, und das restliche Jahr in einem normalen Wellengang weitergeschippert würde, erwies sich als Illusion. Aus allen Ecken und in beiden Großprojekten kommen alte und neue Themen hoch, teilweise mit hohem Bedarf an konzeptioneller Arbeit, die sich schlecht mit „wir haben im Sprint 13 Storypoints vorgesehen“-Arbeitsweise vereinbaren lässt, weil kaum ein Tag vergeht, an dem es nicht zu komplett anderen Themen Meetings und Diskussionen gibt.

Es ist mal wieder die Zeit, in der du erst ab ca. 15 Uhr produktiv sein kannst, weil erst dann das Grundrauschen der Kommunikationskanäle nachlässt und du dich auf ein Thema fokussieren kannst. Der Geschwindigkeitsunterschied zwischen Vormittags und Spätnachmittags, liegt locker beim Faktor 2.

„Abhängigkeiten“ eint die meisten Baustellen als Grundthema. Du kannst x nicht machen, weil es y gibt, die wiederum von z abhängen, die dann nochmal ganz andere Wege gehen.

Things I worked on.

Im Projekt „A“ habe ich erstmals ein Akkordeon auf Basis der DETAILS und SUMMARY-HTML-Elemente verbaut. Der Anwendungsfall war recht einfach und wiederum so stark von der bereits vorhandenen Akkordeon-Implementierung entfernt, dass ich dies mal als Testlauf genommen habe.

Grundsätzlich hat es sich als angenehm einfach entpuppt. Bei zwei Bereichen, die hier für diesen Anwendungsfall nicht relevant waren, bin ich mir über die „Solidität“ dieser nativen HTML-Elemente noch nicht sicher.

  • Wie flexibel ist das SUMMARY-Element? Kinder-Elemente mit display: block; führen zu einer kaputten Darstellung.
  • Animation zum Öffnen und Schließen der Akkordeons. Ich fürchte fast, dass die Animation wieder eine per JS berechnete maximale Höhe braucht – was halt wieder die Vereinfachung durch den Einsatz von DETAILS/SUMMARY konterkarieren würde.

Die Limitierungen der Clipboard-API der Browser kennengelernt. Bei Einbettung eines iFrames einer anderen Subdomain, kann wegen Sicherheitsmaßnahmen der Browser, die Clipboard-API im JS der eingebetteten Seite nichts in die Zwischenablage schreiben. In unserem konkreten Anwendungsfall haben wir keine Chance über allow und Server-Header die Clipboard-API freigeschaltet zu bekommen. In den kommenden Wochen werden wir uns mal postMessage angucken…


Die Version von Stylelint aktualisiert. Ohhh Boy. SCSS-Linting wurde in ein Plug-In ausgelagert. Es wurden etliche neue Regeln eingeführt, teilweise mit Default-Einstellungen, für die die Formulierung „meinungsstark“ zu schwach ist… Beispiel: selector-class-pattern markiert alle Selektoren mit BEM-Notation als fehlerhaft.


Ich werde weiterhin mit Storybook nicht warm. Wenn du dich nicht in der React(o.ä.)-Welt bewegst, ist der Aufwand Komponenten zu schreiben überproportional hoch, weil du das Code-Endresultat nicht weiter verarbeiten kannst, sondern noch einmal in der Template-Sprache deiner Wahl, schreiben.

Ich mag den massiven Einsatz von JS sowohl für die Komponente als auch für die Konfiguration der Storybook-UI für die Komponente nicht. Ich ziehe hier eine schlankere Kombination vor, die Templates und Konfiguration mit viel weniger Logik auflädt. Iteration, If/else und Vererbung sind ausreichend.


Eine interessante Diskussion mit einer Digitalagentur gehabt, die argumentativ einen Knockout-Blow gegen Sketch und zugunsten Figmas abgeliefert haben. Ich bin mit Figma noch nicht warm geworden, aber mit jeder Nutzung Sketchs steigert mein Hadern mit dem Designtool.

Things I did.

Garten — Büschen im Garten gearbeitet. Salate aufgezogen (ja, ich werde den restlichen Sommer vermutlich keinen Salat mehr kaufen müssen). Erdbeeren gepflückt. Tomaten aufgezogen. Die Zucchinis stehen kurz vor der Blüte.

Der Mai war wettermäßig nicht cool. An etlichen Tagen gab es Regen im Zwei-Stunden-Abstand. Konntest also nur wenig im Garten machen. So richtig Radfahren war auch nicht geil…

Mit der ganzen Arbeit auf dem Tisch, wurden die Tage sich immer ähnlicher: Arbeiten bis 20 Uhr, Essen machen, danach zu müde und/oder leer und/oder antriebslos um mehr zu machen, als noch anderthalb Stunden im Bett zu lesen.

French Press — Meine Handhebel-Maschine musste zur Reparatur. So musste ich knapp zwei Wochen lang auf French Press umsteigen. Jetzt ist die Maschine zurück, aber ich muss erst noch meine Einstellungen wieder finden. Den Mahlgrad der Mühle musste ich wesentlich feiner einstellen. Die Milchlanze und das Überdruckventil sind anders gebogen worden, so dass ich beim Milchaufschäumen noch keine vernünftige Position gefunden habe und daher nur „Betonschaum“ produziere.

Things I read.

  • Comic: „East of West“ — Rezension coming up
  • Buch: „Bios“ von Daniel Suarez — SF-Thriller. Ich bin bei ca. 75%. Ich habe keine Ahnung wie das Buch auf meinem Reader gelandet ist. Ich bin nicht wirklich begeistert.
  • Next up: „Métal Hurlant“. Durch einen Beitrag bei „France 24“ bin ich zufällig auf die Wiederbelebung nach 15 Jahren Pause, aufmerksam geworden. Das Comic-Magazin erscheint nun vierteljährlich als 292 Seiten dicke Anthologie zu einem festen Thema.

Things I watched.

  • Rugby — die Playoffs der URC und von Super Rugby Pacific.
    Ansonsten faktisch nichts. Ich gucke so wenig Sport, dass ich erwäge, meine Stream-Abos zusammenzustreichen. Bei der BBL frustet mich der Turnover bei den Hamburg Towers (und der Verlust anderer lieb gewonnener Persönlichkeiten, wie John Patrick). Fußball törnt mich auch nicht an. Wenn die Rugby Union-Saison vorbei ist, werde ich entweder zur Rugby League oder Gaelic Football wechseln, bei denen es alle bzw zahlreiche Spiele for free auf YouTube gibt (und ich brauche keine „frische“, sondern nur spoilerfreie „Ware“).
  • Kino — „Everything, Everywhere, all at once“. Siehe meine Rezension. Mein erster Kinobesuch seit Anno Seuche. Ein feiner Film, der vermutlich auch deswegen auf so viel Sympathien bei mir stieß, weil dieser Mittwochnachmittag ein komplettes und bewusstes Ausschalten von der Arbeit war, inklusive Radfahrt, Essen in einem Imbiss, erster Besuch im Schanzenviertel seit langer Zeit und sehr entspannter Radfahrt an einem schönen Sommerabend. Wie ein (halber) Urlaubstag.

Things I played.

  • Back to „Cities: Skylines“ — Etwas spielen, ohne Zeitdruck und ohne wirklich verlieren zu können.

Am Montag hatte ich meine OP. Diesmal sind es drei Stunden Vollnarkose geworden.

Wenn Menschen nach meinem Befinden fragen, ist die erste Frage immer, ob ich Schmerzen habe. Lobpreiset Ibuprofen: nein, Schmerzen sind nach diesen OPs kein Problem. Es sind eher die Begleiterscheinungen: eine Matschbirne, die es einem nur ermöglicht zu rezipieren, Müdigkeit, ein Tag-/Nacht-Rhythmus, der komplett gegen die Wand gefahren wird und nach 2-3 Tagen meldet sich auch der Nacken. Es haut dich schlicht und ergreifend für einige Tage aus den Schuhen und vor dem sechsten Tag bist du noch nicht mal halbtags arbeitsfähig.

Gemessen an den anderen OPs liege ich „einen Tag vor Plan“. Bereits am Dienstagmorgen ist der Appetit zurückgekehrt. Noch am Dienstag konnte ich wieder Spazierengehen, was wiederum ein Traum für die Nackenmuskulatur ist. Am Donnerstag konnte ich erstmals wieder konzentriert am Rechner lesen. Bei den Ibuprofen 600 bin ich bereits auf zwei Stück pro Tag runter und jetzt nehme ich gerade meinen ersten Kaffee seit der OP ein und frage mich, ob ich ihn so schlecht gemacht oder die Geschmacksnerven noch komplett gewreckt sind.

Reading List

Die Kommunikation von Olaf Scholz ist unsäglich. Die Unsäglichkeit wird noch einmal dadurch unterstrichen, dass Scholz längere Interviews und Beiträge vorzugsweise in Medien hinter Paywalls gibt (zuletzt: SPIEGEL und WELT) statt sich einer breiten Öffentlichkeit zu erklären.

Wie anders ist die Kommunikation von Robert Habeck: transparent, differenziert, klar und nachvollziehbar. Robert Habeck hat diese Woche dafür auf Twitter zwei Paradebeispiele gezeigt.

Am Mittwoch erklärt er nachvollziehbar, wie der durchaus komplizierte Stand bei der Abhängigkeit Deutschlands vom russischen Öl ist und was zur Reduzierung getan wurde und getan wird.

Am Donnerstag schildert er seine Motive für seine Befürwortung von Lieferung von schweren Waffen an die Ukraine, durchaus geplagt von Zweifeln und der Wahl eines von zwei Übeln.

Ich habe von Seiten der Pazifismusbewegung bislang noch keine überzeugenden Argumente gegen eine Waffenlieferung gehört – zuletzt heute morgen in einem Interview des Deutschlandfunks mit Zaklin Natic von der Linkspartei. Was mir fehlt, ist ein Durchdeklinieren der Zukunft der Ukraine beim Ausbleiben der Waffenlieferung. Mantraartig wird immer wiederholt, dass man auf Verhandlungen setzen müssen. Diese Verhandlungen hat es ja aber schon seit Jahren gegeben. Und das Massaker von Bucha macht deutlich, dass auch eine Aufgabe der Ukraine kein Blutbad verhindern wird.

Things I read.

Weiter beim SF-Roman „Braking Day“ von Adam Oyebanji. Ungefähr ein Drittel in und es ist ein bisschen schleppend und klingt phasenweise wie ein „Young Adult Novel“.

Was war. Ende April

Nach acht Wochen Pause: Moin. Die letzten acht Wochen in einem Satz? Erst war es ein wilder beruflicher Ritt … und dann war Akku leer.

Das Königsprojekt* B ging in der letzten März-Woche nach 15 Monaten Arbeit live. Das war einerseits ein Höhepunkt, andererseits fiel dann auch einiges ab. Deswegen hatte der April eine etwas eigene Tonalität: Erholung, Besinnung, Neuaufstellung.

*Königsprojekt“: das soll nicht die anderen Projekte abwerten. Aber aufgrund der Konstellation wie meine Kollegin und ich in das Projekt reingenommen wurden, machte es dies zum Projekt mit der höchsten oder zweithöchsten Fallhöhe meiner beruflichen Laufbahn.

In Projekt A gab es zum gleichen Zeitpunkt Änderungen in den Management-Strukturen, die faktisch dazu führten, dass das Frontend drei Wochen auf Eis lag.

Und jetzt stehe ich sowieso kurz vor meiner vierten und mutmaßlich letzten OP.

Ohne wirklich Urlaub zu haben, hat sich der Kopf eine Pause genommen und in den ersten Gang zurückgeschaltet. „Me-Time“ trat im April in den Vordergrund. Dinge im Garten, Dinge lesen, Dinge spielen, Dinge im TV etc… Alles was den Akku auflädt, hatte Vorfahrt.

Things I worked on.

Ein aktuelles Thema von Projekt A und Projekt B ist die Integration des Frontends bzw. das Zusammenspiel mit weiteren Systemen (CRMs, Kundendaten etc…). Wer soll bzw. kann das Frontend in welcher Form konsumieren.

Das führte dazu, dass ich, zumindest in der Theorie, wieder in das Thema Web Components eingestiegen bin … und wieder mit recht leeren Händen rausgekommen bin. Die Probleme, die das Shadow-DOM in Sachen Barrierefreiheit und SEO verursacht, lassen die Verwendung von Web Components als problematisch und/oder aufwändig erscheinen.

Für die „Komponentisierung“ des Frontends gibt es noch keinen Weg, mit dem ich zufrieden bin. Web Components sind der einzige standardisierte und halbwegs native Pfad für Frontend-Komponenten. All die anderen Wege führen zu Frameworks mit teilweise massiven Overhead (React & Co, Svelte).

Mir fehlen da mangels Erfahrung vielleicht Nuancen und Details, aber bei Designsystemen zerschellen die Werkzeuge derzeit an der Aufgabe einer „agnostische“ Verwaltung von Frontend-Komponenten. Das derzeit gehypteStorybook kann seine Geburt als React-Werkzeug nicht leugnen und bietet keine wirklich neutrale Komponenten-Beschreibungssprache, die eine Ausspielung der Komponenten in verschiedenen Geschmacksrichtungenerlaubt.

Im Umfeld von „Storybook“ wird zwar auf CSF – Components Story Format als Beschreibungssprache für Komponenten verwiesen. Aber CSF basiert auf ES6-Module und ist damit keine Beschreibungs- sondern Programmiersprache. Das Thema „Seperation of Concerns“ wird ignoriert und alles verschwimmt zu einer einzigen, react-affinen Suppe.

Things I did.

Things I read.

  • Comic The Rise and Fall of The Trigan Empire – alle drei Bände durchgelesen. Oh Boy. Da muss ich noch eine Rezension schreiben. Aber es war schlimm…
  • SF-Buch Braking Day von Adam Oyebanji – Da bin ich bei knapp einem Drittel und weiß immer noch nicht, wo das Buch hin will. Derzeit ist es noch ein Buch ohne jedwede Gravitas.

Things I watched.

„Das Attentat – The Man Standing Next“

Ein südkoreanischer Politthriller von 2020, der sich mit der Erschießung des Präsidenten Park Chung-hee 1979 durch den Geheimdienstchef beschäftigt. Die Ereignisse haben reell stattgefunden. Die Motive des Geheimdienstchefs sind aber ungeklärt. Der Film, in dessen Fokus der Geheimdienstchef steht, basiert auf die Spekulation, dass der Geheimdienstchef als „Tyrannenmörder“ ein Blutbad bei der Niederschlagung von Protesten verhindern und den Demokratieprozess fördern wollte.

Der Film ist über lange Strecken genauso unterkühlt wie der Geheimdienstchef Kim Gyo-pyeong. Erst im Schlussdrittel wird die Maske von Kim Gyo-pyeong brüchig und führt zum Fanal: der Erschießung bei einem Umtrunk.

Ein unterkühlter, aber interessanter Film, mit einer Hauptfigur, die sich zunehmend unwohl in seiner Haut fühlt und den Zuschauer bei diesem Wechsel des Aggregatzustands mitnimmt. Und ein Film, der dankbarerweise alle Gelegenheiten zum Splatter auslässt. 3,5 von 5 Sternen.

„Verachtung“

Ein dänischer Thriller, geschrieben von Jussi Adler-Olsen, verfilmt 2018 von Christoffer Boe.

Es sind viele der handelsüblichen Nordic Noir-Elemente zu finden: allerorten schlechte Laune, ein grausamer Mord und Motive/Motivationen die an die Grenzen des Erträglichen gehen.

Das Ganze ist sehr routiniert produziert – vielleicht einen Tick zu spektakulär inszeniert, mit einem brennenden, explodierenden Polizeiauto und einer Schießerei in einer Privatklinik (lt. Wikipedia schießt die dänische Polizei im Schnitt pro Jahr ca. 5 bis 10-mal auf Zivilisten – alleine in beiden Situationen wurde ein komplettes Jahresbudget an Schüssen verballert).

Die Kopenhagener Polizei untersucht einen Mordfall. Hinter einer nachträglich eingezogenen Wand werden an einem Tisch drei mumifizierte Leichen entdeckt. Parallel erzählt der Film in Rückblenden das Schicksal der jungen Nete von 1961. Sie verliebte sich in ihren Cousin. Beide hatten Sex. Netes Vater entdeckte die beiden. Nete wurde von ihrem Vater in eine Erziehungsanstalt für Frauen auf einer Insel geschickt. Dort wurde sie unterdrückt, eine Vergewaltigung versucht, eine Abtreibung und eine Sterilisation an Nete vorgenommen.

So weit alles noch gewohnte Rahmenbedingungen für einen Nordic Noir-Krimi. Der eigentliche Punch des Films kommt in der letzten der 119 Minuten.

Über lapidare Schrifttafeln informiert der Film, dass die zugrunde liegenden Fakten sich wirklich ereignet haben.

Zwischen 1934 und 1967 wurden über 11.000 dänische Frauen, auch auf jener Insel, Sprogø, sterilisiert, zirka die Hälfte davon, zwangssterilisiert.

Am Ende wird ein Zitat des dänischen Sozialdemokraten Karl Kristian Steincke (1880–1963) eingeblendet, sinngemäß: „Wir behandeln alle schwachen Individuen mit Fürsorge und Liebe, aber im Gegenzug erlauben wir es ihnen nicht, sich zu reproduzieren“.

Die dänischen Sozialdemokraten der 20er Jahren haben nicht nur den Wohlfahrtsstaat eingeführt. Sie waren auch Anhänger der Eugenik, Anhänger einer Selektion und „Reinhaltung des Genpools“.

Mit dieser letzten Minute bekam der Film eine ganz andere Fallhöhe. Dieser Widerspruch zwischen Wohlfahrtsstaat und Anhänger der Eugenetik hat mich einige Tage nicht losgelassen.

Alles ein Tick zu glatt, zu routiniert. Was aber am Ende wirklich stehen bleibt, ist das Aufmerksamkeit für diese (dänische/skandinavische) Ungeheuerlichkeit. 4 von 5 Sternen.

Things I played.

Oxygen not included – Ein nicht komplett ernst gemeintes Managementspiel, bei dem eine Gruppe von Replikanten ins Innere eines Asteroiden geschickt werden und dort ein Lager aufbauen sollen.

Dem Spiel gelingt bislang ganz gut die Balance, dass die dahinter liegenden Mechanismen zwar versteckt, aber auffindbar sind. Als Spieler musst du nicht erst mal lange in irgendwelchen Websites nachschauen, wie du überlebst oder weiter kommst.

Was war. Mitte Februar.

Tick, Tock. Im Job läuft der Countdown für Projekt B. Morgen beenden wir den aktuellen „Sprint“ (Arbeitszeitraum/-paket) und haben Feature-Freeze. Ab morgen stehen bis zum Livegang „nur“ noch Bug-Tickets an. Wobei angesichts der Abhängigkeiten zu zahllosen externen und internen Systemen, die Grenze zwischen „Feature“ und „Bug“ fließend ist.

Gleich drei meiner beruflichen Projekte haben in den letzten Wochen an Schlagzahl gewonnen. Unter der Woche komme ich kaum noch dazu, mir freie Zeit freizuschaufeln und die Lust aufwändiger selber zu Kochen ist derzeit auch perdu.

Things I worked on.

Projekt „A“, das andere Großprojekt, läuft derzeit mehrgleisig. Dort sitze ich an der Umsetzung eines größeren Themen-Blocks, während wir in den Meetings noch konzeptionelle Ausarbeitungen zu just diesem Thema machen.

Als drittes Projekt ist Projekt „S“ gestartet. Das ist ein kleineres Projekt, bei dem nur ich als Entwickler involviert und mit dem Unternehmen Konzeption und Design entwickle und umsetze. Gestern konnte ich ein mehrere Jahre altes Tool von mir, reaktivieren und aktualisieren. Das Tool wird in diesem Projekt zentraler Bestandteil meines Werkzeugkastens sein. Es hat mich sehr gefreut, dass es noch solide vor sich hinwerkelt.

Wenn es, zumindest in den beiden Großprojekten, so etwas wie eine Begleitmelodie gibt, dann ist es das Nachdenken über Entwicklungsansätze und die Selbstreflexion über die angestrebte Code-Qualität. Es gibt große Unterschiede zwischen den Entwicklern, inwieweit sie in der Lage sind, während ihrer Umsetzung, das Werk aus unterschiedlichen Lufthöhen zu betrachten. Aus großer Lufthöhe: wo steht die Umsetzung im Kontext des Gesamtprojektes und was sich das Gesamtprojekt vorgenommen hat. Verkörpert es das, worauf sich das Team verständigt hat? Und aus geringer Flughöhe: ist die Umsetzung sauber? Ist sie lesbar und gut zu warten?

In diesem Wechsel der Perspektiven zwischen Mikro und Makro, liegt eine wichtige Qualität von Entwicklern und ich habe in den letzten Wochen viele daran scheitern sehen. Scheitern kann man. Wird es immer wieder geben. Aber der Mangel an Bewusstsein dieses Scheiterns, markiert die Grenze zwischen Entwicklern/Entwicklerinnen, die nur die Tickets runterschrubben und Entwicklerin/Entwicklerinnen, die für nachhaltige Produkte sorgen. Für die Einen ist es ein Nine-to-Five-Job, der sie im gewissen Maße auch austauschbar macht.

Things I did.

Wenn ich so etwas wie gute Vorsätze mir vorgenommen habe, dann ist es endlich Dinge auch fertig zu stellen (seit einem Jahr liegt z.B. ein nur halbfertiger Badezimmerschrank im Flur und wartet auf Montage). In den letzten zwei Wochen habe ich ein kleines Holzregal zusammengebaut, lackiert und vor dem Terrassenfenster im Wohnzimmer aufgestellt. Da sollen die Aufzuchtschalen abgelegt werden.

Seit dem letzten Blogeintrag gab es vier oder fünf Stürme und massig Regen. „Hier“, also in Sichtweite, stehen alle Bäume noch. Aber die nicht befestigten Spazierwege sind vom Dauerregen so hoffnungslos zugesuppt, dass du mit dem Rad nicht durchkommst, ohne dass du danach die Klamotten in die Waschmaschine schmeißen und dein Rad eine Stunde lang sauber machen musst.

Im Garten haben Schneeglöckchen, Krokusse und Winterlinge angefangen zu blühen. Rosen und Clematis schreiben nach Beschnitt. Auf der Freifläche vor dem Haus gibt es jeden Februar das gleiche Spektakel: wilder Krokus poppt auf. Das kann man im ganzen Viertel beobachten, aber so eine Freifläche mit … keine Ahnung, tausenden von Krokussen, habe ich nur hier gesehen … jeden Morgen, wenn ich aus dem Fenster meines Arbeitszimmers gucke.


Erstmals seit letzten Oktober, wieder meine 70km-Tour durch Moorburg, Hausbruch und Harburg gemacht. Zum ersten Mal habe ich realisiert, wie sehr die A26-Ost diese Tour vermutlich kaputt machen wird und was es für Moorburg bedeutet, nach der A7 im Westen, dann auch von der A26 im Süden und im Osten umkreist zu werden und was für eine Schneise die A26 auch im Freihafen schlagen wird.

Was war. Ende Januar.

Der Januar war bislang mal so, mal so. Alle Schattierungen erlebt.

In der ersten Januar-Woche lief die OP recht entspannt ab – auch weil sie inzwischen Routine geworden sind. Nicht ganz so Routine: die Wundheilung dauert diesmal etwas länger, weil die Wundfläche größer ist. Bei der ersten Nachuntersuchung wurden relativ wenige Fäden gezogen. Dafür bin ich nach der Untersuchung gleich weiter runter zu den Landungsbrücken gefahren, um mir am JUKZ am Stintfang eine Booster-Impfung zu geben. Alles was zuvor auf Twitter geschrieben wurde, hat sich bewahrheitet: sehr straight durchorganisiert. Ohne eine Terminvereinbarung wurde ich am Donnerstagnachmittag binnen 5–10 Minuten zum Impfen durchgeschleust. Gefühlt wurden da ca. 1–3 Personen pro Minute geimpft. Und nach der Impfung war ich euphorisiert, wie seit langem nicht mehr und die Stimmung hielt noch bis zum Freitag an, als hätte der Booster nicht nur Moderna, sondern auch noch Alkohol oder Dope enthalten…

Nebenwirkungen gab es kaum: ich bekam den „Impfarm“ und wachte in der Nacht mehrmals auf, weil ich auf den linken Arm gerollt war. Ansonsten ein büschen Müdigkeit am Freitag, aber das war es auch schon mit den Nachwirkungen.

Things I worked on.

Nach 13 Monaten Arbeit hat das Projekt B jetzt einen fixen Golive-Termin bekommen. Der Feature-Freeze und das Umschwenken auf Bugfixing ist in Sichtweite und grundsätzlich liegen wir im Frontend gut im Plan. Und immer noch fühlen sich nahezu alle Weichenstellungen die wir vor einem Jahr im Projekt implementiert haben, als richtig und zwingend notwendig an. Das Projekt hat nur wenig Fett angesetzt. Auch das hat zumindest eine Woche lang, zu meiner latent euphorisierten Stimmung beigetragen.

Ein Thema, das mich in der letzten Woche stark beschäftigte, war das Thema „Code-Review“, also das Bewerten und Durchwinken des Codes anderer Personen. Wieviel an eigenen Code-Style gestehst du dem anderen Menschen zu, wie sehr ziehst du an der Leine, um eine gewisse Konsistenz (auch im Sinne der Pflegbarkeit und Lesbarkeit) zu wahren? Jedes „an der Leine“-Ziehen macht natürlich beim anderen Menschen etwas, egal ob Junior oder Senior und das kehrt natürlich ins Projekt wieder zurück. Und wenn es mehrere „Reviewer“ gibt, wie sehr sollten deren Kriterien halbwegs in sync sein, damit Entwickler-Mensch A nicht das Gefühl hat, dass hier andere Kriterien angewendet werden als beim Entwickler-Mensch B.

Das Thema ist komplexer als „ja“ oder „nein“ und ist eine Frage der Abwägung entlang vieler Faktoren, bei der man aufpassen muss, dass die Unwuchten nicht zu groß werden.

Things I did.

Das Wochenende vor der OP hat mich richtig Zeit gekostet. Beim Durchbauen der Website und des CMS‘ für Projekt A, ist mir mein Arbeitsrechner fett abgestürzt. Nach dem Neustart hatte der Rechner etliche Systemeinstellungen vergessen. Nach einem weiteren Neustart, hatte er diese zwar wieder parat, aber dafür ließen sich Programme nicht mehr starten. Zirka 50% aller Programme kam nicht mehr hoch und blieben in der Launch-Phase hängen. Die anderen 50% waren statt nach 2–5 Sekunden, erst nach 2–10 Minuten bereit und blieben dann 1-2 Schritte später hängen.

Ich hatte am Freitag und Samstag alles versucht: Logdateien ausgewertet, PRAM resettet, Festplatten-Reparatur, Festplatten-Reparatur im Safe Mode, Einloggen als Admin, Betriebssystem drüber bügeln, Systemerweiterungen löschen, Caches löschen, Hardware-Diagnose. Alles ohne Erfolg. Das Problem war zwar im Safe Mode nicht existent, aber das brachte mich nicht weiter (Systemerweiterungen & Caches waren ja auch im normalen Modus bereits gelöscht).

Am Sonntag habe ich sicherheitshalber noch mal ein Daten-Backup gemacht und am Nachmittag war ich dann soweit, um die Festplatte neu zu formatieren, per Internet ein neues macOS aufzuspielen und mit einem Daten-Backup vom Donnerstag wieder einen sauberen Arbeitsstand zu haben.


Langsam setzt die Gartenarbeit wieder ein. Die frostfreie Woche habe ich genutzt um einige Bäume zurückzuschneiden und mit den Ästen und Zweigen eine Totholzecke aufzubauen. Dazu kommen erste Planungen für den Februar und März. Wobei es alle Jahre wieder die gleiche Falle ist. Die Lust ist riesengroß, aber das Wetter ist bis in den April hinein, nicht ungefährlich für das zu frühe Pflanzen.

Über Weihnachten lag etwas länger Schnee. Letzte Woche hatte Hamburg Graupel, der durch die Frosttemperaturen noch 1–2 Tage lang liegen blieb.

Things I read.

Ich habe mich knapp einen Monat durch die „Foundation“-Trilogie gequält (siehe Rezension). Das Thema ist zum Glück jetzt durch. Momentan lese ich einige Sachbücher zum Thema Garten und dem Umgang mit Emotionen.

Things I watched.

Ich bin mit der sechsten Staffel von „The Expanse“ durch.

In den Charakterzeichnungen stellt der Sprung von der fünften zur sechsten Staffel einen ziemlichen Break dar. Die Besatzung der Rocinante ist sehr kriegsmüde geworden. Avasarala sitzt fest im UNO-Sattel. Das Look’n’Feel der Piraten rund um Drummer hat sich von Polyamorie hin zu Depression geändert. Und what the fuck happened to Filip?? Es fühlt sich so an, als hätte man einige Episoden verpasst.

Ähnlich wie die vierte Staffel, hat auch die sechste Staffel, im Vergleich zu den anderen Staffeln, einen recht kleinen Fokus. Insbesondere die „Endschlacht“ und das Schicksal von Inaros, wirkt eine Größenordnung zu klein im Vergleich zur Exposition.

Was aber für mich aber überhaupt nicht hinhaut, ist die Aussage, dass die sechste Staffel die letzte verfilmte Staffel ist, während es noch drei weitere Bücher gibt und in der sechsten Staffel fröhlich Exposition für Geschehnisse über das Ende der sechsten Staffel hinaus, betrieb. Aber anscheinend waren Amazon die Produktionskosten zu hoch (während ein neuer „Herr der Ringe“-Aufguss produziert wurde).

Things I listened to.

Zu Weihnachten bekomme ich eh immer eine Schlagseite Richtung Barockmusik. Der recht neue öffentlich-rechtlichen Stream von France Musique „La Baroque“ führt aber derzeit, dass ich morgens, nach dem Aufstehen, die ersten ein, zwei Stunden vor dem Rechner, mit Barock verbringe.

Was war. 2021.

Damit ist 2021 zu Ende gegangen. Und tatsächlich nutze ich die Zeit um den Jahreswechsel herum, dazu, mich mehrere Stunden hinzusetzen und Rückblick zu betreiben – sich vor Augen führen was gut und was nicht so gut war. Wobei aus der Perspektive eines depressiven Misanthrops solche Rückblicke nicht wirklich ausgewogen sind.

Zwischen den Jahren war das Wetter wie eine Metapher zu meinem Jahr 2021: zu Hause angekettet. Zu Weihnachten herum, gab es gefrorenen Schneematsch, der dazu führte, dass ich nur noch kurze Wege mit dem Rad fahren konnte. Die Wetterlage alternierte dann zwischen Blitzeis und Bindfäden-Regen mit verschlammten Wegen. Die Ehefrau eines Bekannten brach sich eines Nachmittags das Schienenbein und riss sich beide Kreuzbänder.

Es spiegelt 2021 insofern wieder, weil die Corona-Situation (in Kombination mit meinen OPs) und die Arbeit letztendlich zu der Situation führten, dass ich quasi kaum aus der Bude rausgekommen bin.

Ich vermisse die Nordsee. Jedes Kreischen von Zugvögeln, die über den Stadtteil fliegen, triggert bei mir Sehnsucht nach St. Peter-Ording (wo ich einen Platz gefunden habe, an denen Hunderte von Zugvögeln im Herbst zwischenlanden).

In jeglicher, auch metaphorisch, in jeglicher Hinsicht muss ich 2022 mehr raus kommen.

Things I worked on.

Für Projekt A gab es „zwischen den Jahren“ noch eine Art Briefing für den Januar (und von meiner Seite aus, die verblüffte Erkenntnis, wie schlecht die Annotierungsmöglichkeiten im Sketch-Webviewer sind…).

Bei Projekt B habe ich zwei kleinere Tickets, die aber aus unterschiedlichen Gründen erst einmal on hold sind.

Things I did.

Wenn ich dieser Tage auf 2021 zurückblicke, dann ist es bemerkenswert, wie sehr sich diese Eindrücke bereits in meinen ersten schriftlichen Aufzeichnungen von 2021 wieder finden lassen. Was ich im Januar schrieb, hätte auch auf den April, Oktober oder Dezember gepasst. So gesehen, war es ein recht statisches Jahr mit einer fetten Grenzlinie. Auf der einen Seite das Berufliche und Materielle. Und auf der anderen Seite der Demarkationslinie: der Rest.

Beruflich/Materiell kann ich mich eigentlich nicht beklagen. 2021 brachte mir einen Rekordumsatz. Aber das Berufliche breitet sich gerne aus und das wurde immer wieder zu einem Problem für mich. Das wird mein eigentliches Projekt für 2022: die Arbeit auch mal ausknipsen können.

Things I read.

Aktuell lese ich Isaac Asimovs Foundation-Trilogie, die dank der Apple TV-Serie, zu einem herabgesetzten Preis erhältlich war. Ich bin irgendwo bei 60% durch. Es überwiegen die negativen Eindrücke, die zum einen an Asimov selber liegen und zum anderen am Umstand, dass Asimov die Trilogie bereits vor fucking 80 Jahren zu schreiben begann. Und genau so altbacken liest es sich. Aber bei Gelegenheit mehr dazu.

Meine Bücher 2021

Laut Goodreads habe ich 15 Bücher gelesen (bzw auf Goodreads vermerkt…). Grosso modo Science-Fiction und Comics.

Rückblickend betrachtet, erstaunt mich meine gute Bewertung von „Murderbots“. Ich habe wenig Bock, zu der Serie zurückzukehren.

Im Gegensatz zu And Shall Machines Surrender, dass, bei all seinen Macken, bei mir einen nachhaltigen „Wow“-Effekt hatte, dank seines einzigartigen Settings.

Auf Comic-Seite habe ich nur einen Bruchteil der gelesenen Comics auch auf Goodreads eingetragen — müsste ich mal nachholen. „Absalom“ ist die Serie, die mich am meisten frustriert hat, da so vieles dabei war, um daraus einen wirklichen Meilenstein zu machen, aber die Story hat es wieder und wieder verkackt.

Im Herbst hatte ich das Schwerpunktthema „James Bond“-Comics und, auch retrospektiv, dabei ragte die Comic-Umsetzung von „Casino Royale“ heraus. Es ist eine grandiose graphische Umsetzung einer recht kammerspielartig angelegten Geschichte.

Things I watched.

Dieses Jahr schaute ich vor allem „The Expanse“. Tatsächlich fand ich die Serie besser als das erste Buch. Die ersten drei Staffeln sind in Tempo und Intensität ganz weit vorne. Das Kuriose: sogar die heftigen Ereignisse auf Eros verströmten in der TV-Serie mehr Gravitas als im Buch.

Der Wechsel von SyFy zu Amazon Prime Video und dem Sprung von Staffel 3 zu 4, war wie eine Vollbremsung. Ich fand Staffel 4 sehr langatmig. Mit Staffel 5 kam wieder mehr Fahrt rein. Staffel 6 halte ich mir noch ein paar Wochen warm um sie dann innerhalb einer Woche durch zugucken.

Things I played.

Das Weihnachtsgeschenk für mich selber: Gloomhaven. Es handelt sich dabei um ein Brettspiel für ein bis vier Spieler. Davon gibt es zwar inzwischen auch ein Computerspiel, aber ich habe mich bewusst für das Brettspiel entschieden, um etwas Haptisches zu haben, statt noch mehr Zeit auf einen Screen zu starren.

Und haptisch it was. Das Spiel kommt in einer 10kg schweren Box, so groß wie DIN A3 und 20cm hoch. Das Spiel hat 1.500 Spielkarten und ich schätze noch mal tausend Teile wie Figuren, Marker etc… aus Pappe. Ich war an Heiligabend erst mal damit beschäftigt, all die Teile aus den gestanzten Pappe rauszudrücken und in Dutzenden kleine Plastikbeutel zu verstauen.

Guess what. Es gibt einen regen Zubehörmarkt für Gloomhaven, u.a. sogenannte „Organizer“. Das sind gestanzte Pappen, aus denen man sich kleine Aufbewahrungsboxen basteln kann, mit denen man die Teile auch wieder alle in der originalen Box unterbringen kann.

Der zweite Tag war dann mit dem Lesen des 44-seitigen Regelbuchs und dem Aufstellen des ersten Szenarios ausgefüllt. Am dritten und vierten Tag habe ich ganz langsam die ersten zwei Räume durchgespielt. Man braucht Übung, um die ganzen Abläufe zu beherrschen und keine Details zu vergessen (Oh, shoot, vergessen eine Geldmünze am Platz des umgebrachten Bandits zu platzieren. – eh, habe ich beim Angriff den zusätzlichen Schadenspunkt durch die Vergiftung berücksichtigt?). Am fünften Tag kam dann der Organizer und ich bin erst mal mit dem Auslösen der Boxteile aus den gestanzten Pappen beschäftigt gewesen und gestern dem Kleben der Boxen.

Um was geht es? Man bewegt sich in einer typischen Fantasy-Welt. „Gloomhaven“ bietet ein Buch mit vielen Szenarien an, die Stories erzählen. Dazu werden teilweise Spielkarten gezogen. Teilweise werden Räumlichkeiten aus vorgefertigten Pappteilen zusammengestellt und Figuren platziert. Überraschend ist das Abwickeln von Kämpfen ausschließlich über Spielkarten statt Würfeln.


Ein Blick auf meine Spiele 2021.

Ich spiele Spiele recht intensiv für 2–3 Tage und dann war es erst einmal für ein paar Monate. Dieses Jahr zum Beispiel „Mini Motorways“, „Space Haven“, „Rail Route“, „Creeper World“.

Zwei ältere Spiele nehmen aber eine Ausnahmestellung ein. Weil sie mir für die Entspannung und Abschalten wichtig sind.: „Cities Skylines“ und „Rez Infinite“.

Ich habe es schon öfters im Blog erwähnt, aber „Rez Infinite“ ist für mich wie ein Drogenerlebnis – verstärkt durch die zwischenzeitlich erschienene VR-Variante. Es sind die psychedelischen Sinneseindrücke. Es ist die treibende Musik und es ist der emotionale Bogen, der durch einzelnen Leveln aufgebaut wird und mit der „neuen“ Area X auf einer Art und Weise abgeschlossen wird, die mir richtig gehend Pippi in die Augen treibt.

Martin Robinson hat anläßlich des 20ten Geburtstags von Rez in Eurogamer sehr treffend geschrieben:

More importantly, it’s given me 20 years of pure joy. Rez is a short thing to see through, and like its arcade predecessors it won’t take more than 60 minutes to see its credits roll. But lord knows how many times I’ve played it through now – it’s something I return to like a favourite album, enjoying it in new contexts and sometimes whole new perspectives.

Auch 2021 das Spiel, was mich emotional am meisten mitgenommen hat.

Things I listened to.

FM4. Es nähert sich der Moment einer Programmreform. Entsprechende Statements gibt es seit einem halben Jahr immer wieder und die Einschläge kommen näher. Neuer ORF-Generaldirektor. Neue FM4-Chefin. Der Generaldirektor will das Programm jünger machen und zu besseren Zuhörerzahlen verhelfen. Was das gemeinhin bedeutet, kann man sich vorstellen.

2021 habe ich daher meine Download-Aktivitäten rund um FM4-Programme noch einmal verstärkt, um, wenn es soweit ist, in meiner eigenen alten FM4-Blase weiter leben zu können. Stand meines seit Sommer 2010 angelegten Archivs: 417 Tage.

Auch auf einer anderen Art und Weise kommen die Einschläge immer näher: mehr und mehr FM4-Moderatoren sterben. Mit Martin Blumenau, Julia Barnes und zuletzt Gerlinde Lang sind drei prominente FM4-Figuren 2021 gestorben. Zuletzt kurz nach Weihnachten Gerlinde Lang – für mich so etwas wie „die Stimme von FM4“. Jede Homebase-Moderation von ihr, war wie eine gute Freundin bei sich zu haben. Diese Klangmischung aus österreichischem Dialekt und Rotzigkeit ist für mich Sinnbild von FM4. Rest in peace.

Was war. Letztes Quartal.

Was war? Komplett in Arbeit untergegangen. Was sonst…

Eh, lasst mich kurz nachsehen, wann hab ich mich zuletzt gemeldet? Ah, Anfang Oktober? Okay, mal gucken ob ich die letzten drei Monate halbwegs eruieren kann.

Im gesundheitlichen Bereich ist alles nach Plan gelaufen.Die Heilungsprozesse sind alle im grünen bis sehr grünen Bereich. Die nächste Etappe wird es Anfang Januar geben. Dann wieder mit zirka zwei Stunden Vollnarkose. Diesmal soll es mich aber nicht ganz so lange ausknocken — nur drei Tage statt einer Woche arbeitsunfähig. Und, Gott sei Dank, diesmal wieder ein Antibiotikum ohne Kalzium-Unverträglichkeit.

Im Garten habe ich aus zeitlichen Gründen kaum etwas machen können. Beim Sichtschutz an der Terrasse muss ich noch nachbessern. Bei Orkanböen riskieren die Pfähle sich freizuwackeln. Den Herbstorkan hat das Ding nur überstanden, weil ich den ersten Pfahl an der Wand festbinden konnte und die zweite Blende mit zwei Ästen abstützen konnte (wie gut, dass ich genügend lange & dicke Äste von der Hasel im Keller aufbewahre…) Physikalisch ist es mir immer noch ein Rätsel, warum der Sichtschutz den Wind nicht von der Straßenseite (immerhin Sackgassenlage), sondern „Rückenwind“ bekommt, also von der eigentlich durch einen anderen Sichtschutz geschützten Seite…

Im November habe ich nach 35 Jahren(!) einen alten Schulfreund (besser: meinen besten Schulfreund bis zur 8ten Klasse oder so) getroffen und wir haben einen Spaziergang lang (Klein Flottbek — Teufelsbrück — Blankenese) lang gequatscht, was wir die letzten 35 Jahren so an Leben gehabt hatten.

Wären meine letzten drei Monate ein Tortendiagramm, wäre das mit weiten Abstand größte Tortenstück, die Arbeit. Und diese sind nicht nur geleisteten/abgerechneten Stunden, sondern inzwischen eine Grundmelodie, die den ganzen Tag, sieben Tage die Woche zu hören ist.

Selbst wenn ich die Wochenende von Arbeit frei halte (was mir fast immer gelungen ist), ist diese Melodie zu hören. Entweder weil ich Dinge nachhole, die unter der Woche liegen geblieben sind (Haushalt) oder weil ich so platt bin, dass ich nur noch passiv vor mich rumgammle (Lesen, TV). Spätestens mit dem Sonntag Nachmittag drehen sich die Gedanken wieder verstärkt um die bevorstehende Arbeitswoche.

Ja, danke. Dass dies nicht gut ist, weiß ich selber. Es fällt mir in Gesprächen und Telefonaten selber auf, dass ich quasi kaum noch Konversation über etwas anderes führen kann. Diese Monothematik ist nicht gut und COVID-19 macht es mir auch nicht einfacher, weil es mir weitere Optionen aus der Hand schlägt. Keine Museen, keine Kinos, keinen Kurzurlaub an der Nordsee, keine Zeichenkurse, keine Sportveranstaltungen.

Things I worked on.

Die Arbeit wird immer noch vor allem durch der Pendelei zwischen Projekt A und B geprägt.

Bei Projekt A ging es mit einer recht großen Prise „Salesforce“ weiter, wobei das Gros dort von meiner Kollegin erledigt wurde und ich eher zugearbeitet habe. Aus meiner Sicht fühlt sich Salesforce nicht wirklich gut an. Ich kann aber den Finger noch nicht darauf legen, ob das Problem Salesforce selber oder eher die Salesforce-Phantasien von Stakeholdern ist.

Bei Projekt B geht es auf die Schlussgerade. Das Ziel „Q1“ ist in Sichtweite. Das Timing für die letzten drei Monaten nimmt immer konkretere Formen an. Nimmt man all‘ das zusammen, was noch umgesetzt werden soll, sieht es erst einmal gut aus.

Was spannend wird, sind die Rumsfeld‘schen „known unknowns and unknown unknowns“. Wir vom Frontend wissen, aus welche Richtung potentielle Probleme könnten (die „known unknowns“). Die Komplexität des Gesamtprojektes ist aber so groß, dass ich mit dem Aufpoppen einiger Unbekannten rechne.

Das, also der Blick auf das Projekt von einer großen Flughöhe aus, macht mir derzeit aber weniger zu schaffen, als der Alltag als Co-Lead im Frontend. Es ist das permanente Springen in den Themen. Telefonkonferenzen, Dokumentation, Ticketausarbeitung, Testen, Code-Abnahme, Überblick über die Auslastung anderer Frontendler, Briefing von Frontendler, Projektmanagement und Grafik undsoweiterundsofort.

Zum Coden selber, komme ich nur morgens ein, zwei Stunden zwischen Frühstück und der ersten Telko und dann am späten Nachmittag, so ab 16 Uhr, wenn das Kommunikationsrauschen deutlich abnimmt, ich wieder Herr über meine Zeit geworden bin und mal mehr als eine halbe Stunde am Stück an einem Thema sitzen kann.

Jetzt auf einmal dreizehn Tage am Stück für mich alleine und nur mit 2–3 Terminen. Es ist wie Weihnachten…

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